4% Entnahme: zu wenig oder zu viel?


Diese Woche im Fokus:

  • Der Traum vom ewigen Depot: Rendite grösser als Entnahme – klingt einfach, ist aber der Kern jeder Frührente.
  • Warum 4% für Schweizer meist daneben liegt: In beide Richtungen – und nicht so, wie du denkst.
  • Bereit für die Rente? Das fehlt den meisten: Warum ein zweiter Cash-Topf entscheidet, wie sicher dein Ruhestand wird.

💭 Der Traum vom ewigen Depot

Stell dir vor, dein Depot macht jedes Jahr mehr Rendite, als du daraus entnimmst. Was passiert? Es wächst trotz Bezug weiter. Du kannst leben, ohne dass die Substanz schrumpft. Theoretisch für immer.

Genau das ist die Idee hinter «finanzieller Freiheit». Die berühmteste Faustregel dazu stammt aus den USA: William Bengen hat 1994 anhand historischer US-Daten untersucht, wie viel man aus einem typischen Aktien-Anleihen-Depot jährlich entnehmen kann, ohne dass es innerhalb von 30 Jahren leer ist. Sein Ergebnis damals: 4%.

Konkret heisst das: Wer CHF 1'000'000 hat, kann CHF 40'000 pro Jahr entnehmen – und das Depot sollte 30 Jahre durchhalten.

Wichtig zur Einordnung: Die Studie hat nie behauptet, das Depot halte ewig. Simuliert wurden genau diese 30 Jahre. Die «für immer»-Erzählung im Internet ist schlicht falsch.

Für Schweizer ist sie zusätzlich oft ein schlechter Kompass. Warum – dazu unten mehr.


🇨🇭 Warum 4% für Schweizer meist daneben liegt

Mich stört, wie unkritisch die 4%-Regel weitergereicht wird. Fast immer wird der entscheidende Punkt vergessen: In der Schweiz kommen spätestens ab 65 AHV und Pensionskasse dazu.

Viele rechnen so: «Ich habe 1 Million, also 40'000 pro Jahr – reicht ja nie.» Stimmt – aber nur, wenn das Depot deine einzige Einkommensquelle wäre.

AHV plus PK decken bei ordentlicher Pensionierung oft CHF 3'500 bis 5'500 pro Monat. Dein Depot schliesst nur die Lücke. Bei CHF 7'000 Monatsbedarf und CHF 4'500 aus AHV und PK brauchst du noch CHF 30'000 pro Jahr. Bei 1 Million Depot sind das 3% – also tiefer als die 4%-Regel.

Anders bei echter Frührente: Wer mit 45 aufhört, bekommt 20+ Jahre keine AHV und keine PK – und baut zusätzlich Beitragslücken auf. Da trägt das Depot fast alles, über 40+ Jahre. Hier gilt eher 3.5% als sichere Rate.

Meine Einschätzung: Für normal Pensionierte ist die 4%-Regel oft gar nicht der richtige Massstab – nicht weil das Depot mehr verträgt, sondern weil du weniger daraus brauchst. Für Frühpensionierte ist sie oft zu aggressiv.

Pauschal anwenden ist in beide Richtungen falsch.


🛟 Bereit für die Rente? Das fehlt den meisten

Wer Wertschriften hält, kennt den Notgroschen: ein paar Monatslöhne auf dem Sparkonto, je nach Lebenssituation. In der Entnahmephase kommt aber ein zweiter Puffer dazu – und der wird oft vergessen.

Schlechte Börsenjahre direkt nach Rentenbeginn sind gefährlicher als spätere. Der Fachbegriff dazu heisst Sequence Risk – das Risiko der Reihenfolge. Zwei Rentner, je CHF 500'000 Depot, je CHF 25'000 Entnahme pro Jahr. Beide erleben über 5 Jahre dieselben Renditen: zwei schwache Jahre (−20%, −15%) und drei gute (+10%, +15%, +20%). Nur die Reihenfolge unterscheidet sich.

  • Rentner A – schwache Jahre zuerst: CHF 356'000
  • Rentner B – schwache Jahre am Ende: CHF 414'000

Rund CHF 55'000 Unterschied – nur durch die Reihenfolge. Kein Tippfehler.

Die Lösung: 1–2 Jahre Lebenshaltungskosten als Rentenpuffer – auf einem Sparkonto mit Zins. So musst du in schlechten Jahren nicht verkaufen. Das ist keine Aufblähung deines Notgroschens, sondern ein zweiter Topf, nur für die Rente. Profis denken sogar in drei: Wachstum, Verzehr und Cash. Dazu in einem späteren Letter mehr.

💵Deal der Woche: Bei Yuh hast du Bankkonto, Sparkonto mit Zinsen, Depot und Säule 3a in einer App – ideal für alle, die Einkommen, Rentenpuffer und Depot-Aufbau an einem Ort halten wollen. Mit dem Code YUHFRANKE gibt es bei einer Einzahlung von CHF 500 aktuell CHF 50 Startguthaben + 250 Swissqoins geschenkt.

Vorschau nächste Woche: Was Vanguard und BlackRock für die nächsten 10 Jahre erwarten – und warum das die 4%-Regel noch fragiler macht.

Bis nächste Woche!

Dein Eric

Zertifizierter Vermögensberater (IAF). Dieser Newsletter stellt keine individuelle Anlageberatung dar.

Hi! Ich bin Eric von Schwiizerfranke.

Schwiizerfranke ist mit mehr als 30'000 Lesern pro Monat einer der grössten Finanzblogs der Schweiz. Im kostenfreien Wealth-Letter bekommst du wöchentlich meine besten Tipps für dein Geld!

Read more from Hi! Ich bin Eric von Schwiizerfranke.

Diese Woche im Fokus: CHF 7'000 brutto – wie du daraus ein Vermögen machst: Die einfache Aufteilung, die über 20 Jahre rund CHF 700'000 ergibt. Die 3 stillen Vermögens-Killer: Was den meisten Schweizer Sparern unbemerkt das Vermögen kostet. «Möchten Sie in CHF bezahlen?» – die Ferien-Falle: Wo dir im Sommer hunderte Franken durch die Finger rutschen. 💰 Wie aus CHF 7'000 brutto ein Vermögen wird Der Schweizer Medianlohn liegt bei rund CHF 7'000 brutto. Nach Abzügen bleiben etwa 5'900 bis 6'300...

Diese Woche im Fokus: Du brauchst keinen KI-ETF: Warum FOMO bei OpenAI und SpaceX überflüssig ist – und wie passive Anleger automatisch profitieren. Was wirklich in deinem Welt-ETF steckt: Wie konzentriert dein MSCI World heute wirklich ist – und was du tun kannst, wenn dir das zu eng wird. Was dein Robo Advisor nicht für dich entscheidet: Zwei Schweizer Anbieter, zwei Philosophien – wir haben finpension und True Wealth direkt gefragt. 🤖 Du brauchst keinen KI-ETF Viele Investoren haben gerade...

Diese Woche im Fokus: Der Finanz-Irrtum vieler Ehepaare: Was als Ehepaar wirklich automatisch geschützt ist – und wo die meisten Lücken klaffen. Was passiert, wenn du gehst? Wir haben 16 Anbieter angefragt. 8 verlangen die Kontoschliessung, sobald du die Schweiz verlässt. Leibrente: Klingt sicher. Ist es selten. Was das Versprechen «lebenslange Rente» wirklich kostet – und warum die PK-Rente fast immer schlägt. 💍 Der Finanz-Irrtum vieler Ehepaare Ja, die Heiratsstrafe ist weg. Aber das Gesetz...